Vorlesung Weinbau I (Produktion)

(Teil des Moduls H2287)

© Rolf Blaich (2000)

Teil 2: Vermehrung und Erziehung

Vermehrung der Reben

Samenvermehrung 

Vegetative Vermehrung

Arten

konventionell unkonventionell
Steckling in vitro-Kultur
Ableger aus Einzelzellen
Pfropfrebe Grünveredelung

Stecklingsvermehrung

Anwendung Vorteile Nachteile
Unterlags-Reben Einfachheit nicht möglich (bzw. nicht erlaubt) bei Reblaus-
und Nematoden-Verseuchung
wurzelechte Pflanzungen längere Nutzung (?)  
Züchtung    
Zu beachten: Polarität der Adventivwurzel-Bildung (Trieb- und Wurzelursprung, Abb.)

Begriffe

Ablauf

Holzsteckling
etwa 12 h wässern, Botrytisbefall durch
Tauchen in 0,1 % Chinosol einschränken
Grünsteckling
mit einem Tragblatt
(verkleinert, wegen Transpiration)
Temperatur 22 -28 °C, hohe Luftfeuchte
Auxin (50-100 ppm ) nur bei schwer bewurzelbaren Rebsorten (Abb.)
(evt. unerwünschte Stoffwechselbeschleunigung )
nach Knospenaustrieb gute Lichtbedingungen schaffen!

 

Ablegervermehrung

auch Absenker, in situ - Vermehrung (verwandt ist das Abmoosen)
für viele schwer vermehrbare Vitaceen die einzige Möglichkeit (Abb.);

Im zeitigen Frühjahr alle unerwünschten Augen blenden
Trieb strangulieren oder ringeln (er bleibt 1 - 3 Jahre mit der Pflanze verbunden), dann Abtrennen von der Mutterpflanze

Vorteile Nachteile
leicht, billig nur bei niedriger Erziehung
schon im 1. Jahr Ertrag Übertragung systemischer Erkrankungen

 

Pfropfung

Prinzip
Transplantation eines Oberteils (Edelreis, Auge) = Hyperbiont
auf eine wurzeltragende oder bewurzelbare Unterlage (Wurzel ) = Hypobiont
Augen der Unterlage werden geblendet (entfernt ) = Blindholz

Zweck

Geschichte
Seit der Antike bekannt:
  • COLUMELLA, PALLADIUS (z.T. obskure Angaben wie etwa Vitis auf Prunus)
  • dann CRESCENTIUS ( 1512 )
  • GOTTFRIED VON FRANKEN ( 1550 ) beschreibt Verfrühung der Traubenreife bis zur Kirschenreife durch Pfropfung (!?!)
  • Details zur modernen Geschichte siehe Weinbauseminar SS2000 Hill: Pfropfreben

 

Verbreitete Methoden

Feldveredelung

Unterlagen werden 1 - 2 Jahre vor Veredelung ausgepflanzt, im Herbst oder Frühjahr in Bodennähe gepfropft (b) oder weiter oben okuliert (a) und bis nach dem Austrieb zugehäufelt

Vorteile Nachteile
einfach keine Mechanisierung möglich
hoher Anwuchserfolg Pflanzgutkontrolle schwierig
früher Ertrag  
keine Investitionen  
Günstig in warmen Ländern und mit billiger Arbeitskraft

 

 

 

 

 

Tischveredelung

Entwickelt von GOETHE, MÜLLER-THURGAU (1890), zunächst für kühlere Gebiete, jetzt weltweit; Hand- und "Maschinenveredelung" (teilmechanisiert )

Anwuchsrate geringer als bei Feldveredelung: ( 20 % ) 30 % bis 70 % ( 80 % ), dafür größerer Durchsatz möglich

Zeitplan

Herstellung der Pfropfreben

Mitte bis Ende April 

 

Rebschule

Anlage

deshalb auch andere Anzucht-Verfahren:

Kartonagereben

Kartonageverfahren (nach BIRK, Geisenheim 1935, Abb.)

auch Anzucht in Töpfen
vor dem Vortreiben eintopfen (Problem Platzbedarf, Kosten)

 

 

Weitere Pfropfmethoden

Probleme bei der Pfropfung

Problembeispiel
Edelreis Unterlage
Müller-Thurgau Couderc 3309 C
sehr fruchtbar schwachwüchsig
führt zu geringer Verrieselung 
(zu viele Blüten entwickeln sich zu Beeren)
es resultiert ein sehr hoher Ertrag
dadurch kommt es zu  Abbau der Rebe
dabei ist  förderlich: schlechte N-Versorgung, Trockenheit
Folge: Vorzeitiges Aushauen
   
Traminer Kober 5 BB
schwachwüchsig und
sehr verrieselungsanfällig
starkwüchsig
Verrieseln wird durch Überversorgung des Edelreises
weiter gefördert
(zu wenige Blüten entwickeln sich zu Beeren)
Ertrag sehr niedrig
Üppige vegetative Produktion
förderlich: gute N-Versorgung gute Wasserversorgung
Folge: Vorzeitiges Aushauen

 

Unterlagsreben

Unterlagenbedarf in Deutschland etwa 20 000 000 Stück pro Jahr, rückläufig.

 

Wichtige Unterlagssorten in Deutschland
Sorte Wuchs Affinität Kalk Böden,
Bemerkungen
Kreuzungen aus Vitis berlandieri × Vitis riparia
Kober 5 BB +++ ++ +++ arm,
kalkreich
Kober 125 AA +++ +++ ++ mittlere Böden
und Standweiten
SO 4 (Selektion Oppenheim 4) +++ ++ ++ enger Stand,
Chloroseböden
Teleki 5 C ++ +++ ++ mittlere und trockene
Böden, chlorosegefährdet
Teleki 8 B ++ + +++ Kalkböden
Kreuzung aus Vitis riparia× Vitis rupestris
3309 Couderc + +++ + nur kalkarme, gute
Böden
Kreuzung aus V. vinifera 'Trollinger' × V. riparia
26 G (Geisenheim 26) ++ +++ ++ anfällig für
Rebläuse

 

Unterlagsreben - Erziehung

Erziehungsart soll lange, gleichmäßige Ruten erbringen:
bei uns GREINER-DECKER - Schrägpfahlerziehung (8 - 10 Triebe pro Kopf, Abb.);
in sehr trockenen Gebieten auch am Boden liegend (Abb.)

 

Rebanlage

Gesetzliche Regelungen

 

Flurbereinigung (Ländliche Raumordnung )

 

Sortenwahl

Mehr über mitteleuropäische Sorten

 

Pflanzung

Überlegungen

Wurzelechte Rebe Pfropfrebe
Direktträger m.o.w. reblausfeste Unterlage
Reblausgefahr ? aus Rebschule ?
  Kartonagerebe ?
  Topfrebe ?
  Pfropfkombination ?

 

Anlegen eines Weinbergs

Bestimmung der Standweite (eigentlich Standfläche), m2 pro Pflanze = Zeilenabstand × Stockabstand durch

Weiten (Abb.) international 3 - 15 m2
in Deutschland 1,5 - 5 m2
d.h. 2000 - 7000 Stock pro ha je nach Bedingungen:

Auszeilen 

 

Bepflanzen des Weinbergs

Pfropfrebe
(aus Rebschule)
Kartonagerebe
 
erste Maiwochen bis Ende Juli
Trieb auf ein Auge kürzen  
Wurzel kürzen (je nach
Loch - möglichst lang)
Wurzeln schonen!
Pflanzloch (Bohrer,
Pflanzspaten usw.,
Setzholz nur in
leichtem Boden (Verdichtungs-
gefahr der Lochwand),
Wasserlanze, Maschine
nur 10 cm - Loch
zuhäufeln (evt. Pflanzerde
 
Pflanzpfahl  

Bepflanzen (Abb.)

Schutz der Setzreben

Maschendraht-Röhren (gegen Kaninchenfraß)
Pflanzröhren (etwa 8 x 80 cm) aus durchsichtiger Plastikfolie; muss ein Boden gedrückt werden um Kaminwirkung zu vermeiden.

Diesen werden unterschiedliche positive und negative Eigenschaften zugeschrieben:
Vermehrung/Verminderung von Mehltaubefall
Förderung/Hemmung von Unkrautwuchs (je nach Art)

Pflanzröhren

Vorteile Nachteile
Förderung des Längenwachstums dadurch aber: Wurzeln werden
nicht entsprechend ausgebildet
  außerdem: Verstärkung von
Trockenschäden in Steillagen
Schutz gegen Wildverbiss  
Einsparen der ersten Austriebsspritzungen (Fungizide) Kräuselmilben vermehren sich stark und
können in den Röhren nicht bekämpft werden
   

Erziehung

Erziehung umfasst Stammhöhe und Laubwandausdehnung; oft ist eine hohe Laubwand auch mit einem hohen Stamm korreliert, dies muss jedoch nicht immer so sein!

Zahllose Möglichkeiten

 

Laubwandausdehnung kugelig bis vertikal vertikal horizontal dreidimensional
Stammhöhe 0 bis .. bis 2 m 1,5 - 2,5 m  
Standweite eng weit weit  
Stützung einfach aufwändig aufwändig sehr aufwändig
Nutzung Keltertrauben Keltertrauben Tafeltraube Keltertrauben
mech. Lese --- gut schlecht schlecht
Wüchsigkeit weniger wüchsige bis wüchsige .. wüchsige .. Rebsorten
Klima trocken bis gemäßigt gemäßigt warm gemäßigt

 

Genaueres zur Stammhöhe

Stammhöhe bei unterschiedlichen Kulturformen

Niedrig Mittelhoch Hoch
Keltertrauben Keltertrauben Tafeltrauben
Steillagen Intensivkultur Intensivkultur
Windlagen Bewässerung Bewässerung
Frostlagen    
Unterlagen    
Vorteile
Einfachheit Mechanisierbarkeit Maximalwuchs
Bodenwärme    
Frostschutz    
Nachteile
kein Pfahl Unterstützung aufwändig Unterstützung aufwändig
Lesegut oft schlecht   hoher Arbeitsaufwand
Ertrag gering    

 

Unterstützung

Pfahlunterstützung 
nur vertikal (Abb.)

Anwendung Vorteile Nachteile
extensiver Weinbau einfach, billig geringe Durchlüftung
Rebmuttergärten geringe Unterhaltskosten (Pilzdruck)
Steilhang viel Heftarbeit  
Junganlage    

 

Spalier
vertikal, zweidimensional, römischer Ursprung, aus Kammert-Erziehung (Abb.)

Anwendung Vorteile Nachteile
Intensivweinbau gute Lichtexposition hohe Investitionskosten
  leichtes Heften hohe Unterhaltskosten
  mechanisierbar in Steillagen schwierig

Spalier, Schema (Abb.)

Laubenerziehung (Abb)

Vorteile Nachteile
maximale Nutzung
des Ertragspotentials
hohe Kosten für Anlage
und Unterhalt
keine Laubarbeiten keine maschinelle Lese
Schatten für Tafeltrauben

Es existieren weltweit zahlreiche  weitere Varianten von Erziehungs- und Unterstützungssystemen (Abb.)

Wichtigste Erziehungsarten in Deutschland

  Höhe cm Höhe cm Höhe cm
  Stamm Laubwand Pflanzen
Spaliererziehung
(Direktzuglagen)
60 - 80 80 - 120 180 - 220
Pfahlerziehung
(Steillagen)
20 - 40 150 170 - 200

 

Aspekte von Erziehungssystemen

Erziehung Lichtexposition Durchlüftung Lese Wüchsigkeit
Pfahl, Vertiko (Abb) gering gering mittel gering
Drahtrahmen, Spalier (eng) mittel mittel sehr gut gut
Drahtrahmen, Spalier (weit) sehr gut sehr gut sehr gut gut
Pergola, LENZ - MOSER gering schlecht gut stark

 

 

 

Mit Teil 3 weitermachen